Oktober 1990

 

Saarbrücker Zeitung, 15.10.1990

Reise durch die Geschichte des Ostertals


Heimat- und Kulturverein gab den ersten Band von Autor Klaus Zimmer zur Chronik des Ostertals heraus

 

Niederkirchen (kp). “Die erste Etappe der ’Chronik des mittleren Ostertales' führt in Band l auf ca. 430 Seiten von der Steinzeit bis zum Ende des 30-jährigen Krieges. Vor- und Frühgeschichte, frühes Mittelalter, Hochmittelalter, Spätmittelalter und Frühe Neuzeit, Kirchengeschichte, Schulgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, der 30jährige Krieg - dies sind Stationen der Reise durch die Ostertaler Geschichte. "Mit diesen Worten skizzierte der Autor der „Chronik des mittleren Ostertales", der gebürtige Saaler Klaus Zimmer, Studienrat für Englisch und Chemie an einem Gymnasium in Homburg, jetzt wohnhaft in Hassel, sein umfangreiches Werk, das auf einer Festveranstaltung im ehrwürdigen Paul-Gerhardt-Haus in Niederkirchen vom Herausgeber, dem Heimat- und Kulturverein Ostertal, der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Zur Einstimmung in die Feierstunde, zu der die Mitglieder des Heimat- und Kulturvereins, die Heimatforscher aus dem Ostertal und der Westpfalz und eine große Zahl von Ehrengästen erschienen waren, sang und spielte Walter Harth ein selbst komponiertes Lied aus Saal im Ostertal. Hans Kirsch, der erste Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, freute sich über den großen Kreis der Festgäste, erinnerte an das nun fünfjährige Bestehen des Vereins, der sich bei der Gründung das Ziel steckte, die Geschichte des Ostertales systematisch zu erforschen und der Öffentlichkeit vorzustellen: „Nach fünf Jähren legen wir Ihnen ein erstes stolzes Ergebnis vor, ein Buch, in dem eine zehnjährige Forschungsarbeit steckt."

Viele Gönner haben die Herausgabe des Buches finanziellgefördert: die Kreisstadt St. Wendel, das Kultusministerium des 'Saarlandes, der Landkreis St Wendel, die St. Wendeier Volksbank, die Kreissparkasse St. Wendel und die Pfalzwerke AG. Zwei weitere Freunde des Heimat- und Kulturvereins hätten zum Gelingen des Werkes beigetragen, MdL Armin Lang und Egon Lutz von der Neunkircher Druckerei.

Grußworte zur Vorstellung des Buches sprachen Franz Rudolph Kronenberger als Vertreter des Kultusministers, Karl Kopp als Stadtbeigeordneter, H. Münch von den Pfalzwerken, der Ortsvorsteher von Saal und der Hausherr Kurt Wienold, Pfarrer in Niederkirchen. Letzterer sprach von einem ganz besonderen Freudentag für Flen Ortspfarrer und gab den Dank des Presbyteriums an den Autor weiter. Er sprach von einem trefflich gelungenen Werk, das hoffentlich eine breite Käuferschar finden möge.

Dann erhielt der Autor das Erstexemplar aus der Hand von Hans Kirsch, Klaus Zimmer stellte sein Werk vor. Als „Leitbilder" dienten die Veröffentlichungen des 1977 verstorbenen Heimatforschers Berthold Stoll aus Leitersweiler und verschiedene Zeitschriftenaufsätze des Niederkirchener Pfarrers Dr. Friedrich Esselborn vom Anfang dieses Jahrhunderts. Eines seiner ersten Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten war auch die 525-Jahr-Feier von Saal im Jahre 1983. Dieses Jubiläum war der Anlaß, Überlegungen reifen zu lassen, dem heimatkundlichen Interesse im mittleren Ostertal ein Forum zu schaffen. Archivalien wurden von Klaus Zimmer an Ort und Stelle eingesehen. Seine zahlreichen Forschungsreisen führten den Autor ins Landeshauptarchiv Koblenz, Landesarchiv Speyer, Kirchenarchiv Zweibrücken und ins Bayerische Hauptstaatsarchiv München, Die Besuche im Münchener Archiv stellten für ihn den Höhepunkt aller bisherigen Forschungsarbeiten dar. Ergänzt wurden die Unterlagen durch kopierte Quellen aus der Nationalbibliothek Paris, dem Marne-Archiv in Reims und dem Stadtarchiv in Frankfurt.

Zahlreiche im Ostertal bis jetzt unbekannte vor-und frühgeschichtliche Funde können im Buch bestaunt werden. Irrtümer der bisherigen Forschung werden gelöst. Er erinnerte z. B. an das Problem der Zuordnung mittelalterlicher Urkunden zu Niederkirchen oder Oberkirchen. Mit der Ersterwähnung von 880 hat Niederkirchen das Rennen gemacht Manche bisher angenommene Ersterwähnung der Ostertaldörfer mußte im Sinne einer noch früheren Datierung korrigiert werden. Im Buch sind alle Ersterwähnungsurkunden abgebildet Die Ortsnamen werden gedeutet Die Geschichte untergegangener Ostertatorte kommt ans Licht Umfangreiche bisher unbekannte Einwohnerverzeichnisse geben einen Überblick über die Namens- und Familienverhältnisse der Ostertäler vor Beginn der Kirchenbücher. Der Blick bleibt stets nicht nur auf das mittlere Ostertal gerichtet, auch die umliegenden Orte werden in die Betrachtungen einbezogen. Ob nun der zurückgelegten ersten Etappe in etlichen Jahren eine zweite folgen kann, hängt nicht zuletzt vom Interesse des Lesepublikums ab.

Zimmer dankte dem Heimat- und Kulturvein ,Ostertal und seinem Vorsitzenden Hans Kirsch für die Möglichkeit, der Ostertaler Bevölkerung und der weiteren Öffentlichkeit die Forschungsergebnisse bekanntzumachen: “Dies ist ein Tag der Freude. Ich wünsche allen Mit-Ostertälern und allen anderen Lesern, daß die Lektüre des Buches allen Freude bereitet".